PETCOMEVETERINARY SERIES

Tierärztliche Fachinformationen

CaliciProProdukthandbuch für Tierärzte

Von den Produktspezifikationen bis zur klinischen Verlaufskontrolle – eine klare Grundlage für die Behandlungsbesprechung.

Dieses Handbuch verbindet die Produktinformationen zu CaliciPro I/II mit dem tierärztlichen PETCOME-Leitfaden für den fachlichen Austausch, die Produktauswahl und die Verlaufsplanung bei FCGS.

Inhaltlicher Stand: 2026-09-15 · Webfassung

CaliciPro II · 40 mg
EIDD-1931 · Tabletten zur oralen Anwendung · 60 Tabletten pro Packung
Für den tierärztlichen Fachaustausch; keine zugelassene Packungsbeilage. Antivirale Anwendungen bei FCGS gehören zur Bewertung von Off-Label- oder experimentellen Anwendungen. Sie ersetzen weder die individuelle Diagnose und Verschreibung noch die Einhaltung örtlicher Vorschriften.

01 / Produktspezifikationen

Derselbe Inhaltsstoff, zwei Tablettenstärken.

Die Auswahl richtet sich nach der individuellen Verschreibung und der einfachen Verabreichung. Eine höhere Tablettenstärke bedeutet keine höhere Wirksamkeit. [1]

Spezifikationen von CaliciPro I und II im Vergleich
MerkmalCaliciPro ICaliciPro II
Deklarierter InhaltsstoffEIDD-1931(NHC)EIDD-1931(NHC)
Menge pro Tablette20 mg40 mg
Grundpackung60 Tabletten pro Packung60 Tabletten pro Packung
Erhältliche Gesamttablettenzahl60/120/180 Tabletten60/120/180 Tabletten
Orientierung zur Produktauswahl auf der WebsiteKatzen unter 2 kgKatzen ab 2 kg
PlanungsaspekteGeringere Menge pro Tablette zur Beurteilung kleinerer EinzeldosenHöhere Menge pro Tablette zur Beurteilung der erforderlichen Tablettenzahl

EIDD-1931 ≠ molnupiravir

EIDD-1931 ist N4-Hydroxycytidin (NHC); Molnupiravir (EIDD-2801) ist dessen Prodrug. Studien zu unterschiedlichen Verbindungen und Formulierungen lassen sich nicht unmittelbar auf die Wirksamkeit von CaliciPro, die Exposition nach oraler Gabe oder eine Milligramm-für-Milligramm-Umrechnung übertragen. [1] [4]

02 / Pathophysiologischer Rahmen

Nicht nur Läsionen, sondern auch anhaltende Reize beurteilen.

  1. FCV und persistierende orale Antigene

    Virusbedingte Reize können an Entstehung und Aufrechterhaltung der Erkrankung beteiligt sein.

  2. Immunaktivierung und Schleimhautschädigung

    Anhaltende Antigenreize und die Wirtsreaktion beeinflussen gemeinsam die Läsionen.

  3. Parodontale Antigene und Verstärkung durch die Mikrobiota

    Zahnbelag, Parodontalerkrankungen und Barriereschäden können die Entzündung verstärken.

  4. Fortbestehen der chronischen Entzündung

    Virus, orales Milieu und Immunregulation müssen gemeinsam beurteilt werden.

Bei FCGS finden sich Transkriptionssignale, die einer Erschöpfung von CD8⁺-T-Zellen ähneln, sowie mitochondrienbezogene Signale. Dies belegt weder unmittelbar eine funktionelle Erschöpfung noch FCV als alleinige Ursache. [3]

Auch bei Prüfung eines antiviralen Ansatzes müssen zahnmedizinische Behandlung, Schmerztherapie, Ernährungsunterstützung und Behandlung von Begleiterkrankungen erhalten bleiben. [1] [7]

03 / Forschungsergebnisse

Welche Schlussfolgerungen tragen die Daten?

2021 · Zusammenhang zwischen FCV und FCGS

Fried et al.: FCV wurde bei 21 von 23 Katzen mit FCGS nachgewiesen, bei den 19 Kontrolltieren hingegen nicht. Dies unterstützt einen Zusammenhang mit einer Infektion, beweist aber nicht, dass alle FCGS-Fälle durch FCV verursacht werden. Es handelt sich nicht um eine Produktstudie. [2]

2025 · Erste Hinweise zu antiviralen Interventionen

ACVIM-Abstract: Bei FCV-positiven Katzen mit fortbestehender FCGS nach Zahnextraktionen verbesserten sich unter Molnupiravir die Läsionen bei 4/5, und die Virusausscheidung nahm bei 2/5 ab. In der unbehandelten Gruppe lagen beide Ergebnisse bei 0/3. Es handelt sich lediglich um einen Kongressabstract mit 8 Katzen und 4 Wochen Beobachtungszeit; untersucht wurde nicht CaliciPro. [4]

2026 · Beobachtungsdaten zur Kombinationstherapie

Katayama et al.: Nach kombinierter antimikrobieller und antiviraler Behandlung zeigten 52 Fälle klinische Verbesserungen sowie Verbesserungen einiger Biomarker. Es gab keine randomisierte Kontrollgruppe, und die Anfangsphase umfasste Moxifloxacin. Die Wirkung einzelner Medikamente lässt sich daher nicht trennen; die Studie untersuchte auch nicht speziell CaliciPro. [5]

04 / Fallbeurteilung

Vor Beginn einen nachvollziehbaren Ausgangsbefund erheben.

  1. Orale Diagnostik und dentale Bildgebung

    Kaudale, gingivale, bukkale und linguale Läsionen dokumentieren. Parodontalerkrankungen, verbliebene Wurzelreste und Zahnresorption beurteilen. Bei atypischen, einseitigen oder raumfordernden Läsionen Probenentnahme und histopathologische Untersuchung erwägen.

  2. Begleiterkrankungen, Anamnese und Risikofaktoren

    Gewicht, Appetit, Schmerzen, frühere Zahnextraktionen und sämtliche Medikamente/Ergänzungsmittel erfassen. Je nach Befund FeLV/FIV, Leber- und Nierenfunktion sowie weitere Infektionen beurteilen; ein Ausgangsblutbild (CBC) und klinisch-chemische Werte erheben.

  3. FCV-Testung und Ergebnisinterpretation

    Ein einzelner negativer Befund schließt eine Infektion nicht vollständig aus. Auch ein positiver Befund beweist nicht, dass die Läsionen ausschließlich durch FCV verursacht werden. Ob erneut getestet wird, hängt von Probenentnahme, Methode und klinischem Verdacht ab. [2] [6] [7]

  4. Gemeinsame Entscheidungen und Therapieendpunkte

    Beobachtungskriterien, Kontrolltermine und das Vorgehen bei Auffälligkeiten vereinbaren; Datengrenzen und örtliche Vorgaben erläutern. Ein einzelner PCR-Wert oder eine subjektive Appetitverbesserung ersetzt keine umfassende Beurteilung. [1] [7]

05 / Planung der Verabreichung

Zuerst die Verschreibung festlegen, dann die Tablettenzahl berechnen.

Das Nachkaufintervall ist keine validierte Behandlungsdauer. [1]

Rechenbeziehungen · Ohne vorgegebene Dosis

Tabletten je Gabe = Körpergewicht in kg × verordnete mg/kg je Gabe ÷ mg pro Tablette

Tabletten pro Tag = Tabletten je Gabe × Gaben pro Tag

Benötigte Packungen = Aufrunden (Tabletten pro Tag × Tage ÷ 60)

Reines Rechenbeispiel: insgesamt 3 verordnete Tabletten pro Tag

Beispiel zur Vorratsplanung, keine Verschreibung für eine bestimmte Katze
ZeitraumGesamttablettenzahl60 Tabletten pro Packung
Reichweite von 1 Packung in Tagen60 ÷ 320 Tage
12 Wochen (84 Tage)252 Tabletten5 Packungen (300 Tabletten)
20 Wochen (140 Tage)420 Tabletten7 Packungen (420 Tabletten)

120/180 Tabletten entsprechen der Gesamtmenge aus 2/3 Packungen und ändern die Tagesverschreibung nicht. CaliciPro I und II enthalten unterschiedliche Mengen pro Tablette. Beim Wechsel der Stärke muss neu gerechnet werden; die bisherige Tablettenzahl darf nicht übernommen werden. Auch ein Milligramm-für-Milligramm-Austausch mit Molnupiravir ist nicht zulässig.

06 / Überwachung und Sicherheit

Nutzen und Risiken durch kontinuierliche Verlaufskontrollen beurteilen.

Zusammenstellung auf Grundlage des PETCOME-Tierärztebereichs; die Häufigkeit muss dem individuellen Risiko angepasst werden. [1]

  • Vor Beginn:Blutbild (CBC), klinische Chemie, Gewicht, Appetit, Schmerzen und orale Fotos aus standardisierten Blickwinkeln.
  • Dokumentation zu Hause:Verabreichung, Erbrechen/Durchfall, Futteraufnahme, Speichelfluss, Aktivität und regelmäßige Gewichtskontrolle.
  • Etwa alle 4 Wochen:Kontrollbesuch, orale Beurteilung, Blutbild (CBC) und klinische Chemie; bei erhöhtem Risiko oder Auffälligkeiten früher.
  • Vor Abschluss oder Anpassung:Den Verlauf von Läsionen, Schmerzen, Gewicht und Laborwerten vergleichen, nicht nur die Anzahl der Tage.

Kombinationen und besondere Patientengruppen

Zusätzliche Vorsicht ist bei Trächtigkeit, Säugezeit, Zucht, Jungtieren, Leber-/Nierenstörungen oder Zytopenien erforderlich. Umfassende Daten zur Sicherheit und zu Wechselwirkungen des Produkts fehlen; eine allgemeine Unbedenklichkeit kann nicht behauptet werden.

Ein einzelnes Medikament ersetzt keine umfassende Versorgung

Zahnmedizinische Behandlung, Schmerztherapie und Ernährungsunterstützung beibehalten. Antimikrobielle Mittel benötigen eine begründete Indikation und eine Überprüfung des Absetzzeitpunkts. Langzeitantibiotika oder Ergänzungsmittel sind nicht in jedem Fall erforderlich. Begleitmedikamente werden vom behandelnden Tierarzt geprüft. [1] [7]

Bei unzureichendem Ansprechen oder Rückfall Zahnprobleme, Therapietreue, erneute Exposition und Begleiterkrankungen überprüfen. Nicht lediglich die Behandlung verlängern oder eigenständig die Dosis erhöhen.

07 / Literatur und Ressourcen

Nachprüfbare Quellen und passende weiterführende Informationen.

Literaturverweise öffnen sich in einem neuen Fenster, sodass die Leseposition erhalten bleibt.

  1. PETCOME · Product information & veterinary resources
  2. Fried WA et al. · Am J Vet Res. 2021;82:381–394
  3. Soltero-Rivera M et al. · Scientific Reports (2026)
  4. Alvarado Colon JC · ACVIM Forum 2025 · ID26
  5. Katayama M, Uemura Y · Vet Sci. 2026;13:363
  6. Druet I, Hennet P · Front Vet Sci. 2017;4:209
  7. ABCD · Guideline for feline calicivirus infection

Weiterführende Informationen